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Michael John: Die Anfänge des sozialistischen Realismus in der sowjetischen Musik der 20er und 30er Jahre Historische Hintergründe, ästhetische Diskurse und musikalische Genres © 2009; 660 pp; Language: GER
ISBN 978-3-89733-192-1
In der vorliegenden Arbeit werden die musikhistorischen Anfänge des sozialistischen Realismus in der sowjetischen Musik der 20er und 30er Jahre anhand der kulturpolitischen und musikästhetischen Diskurse rekonstruiert. Der Autor zeigt auf, dass Teilfunktionen der geistlichen Musik im Stalinismus reaktualisiert und genutzt wurden, um das sowjetische Staatsgefüge mit einer klingenden Aura zu umgeben. Dabei wird insbesondere auf die Kontinuität der musikpädagogischen und -ethnographischen Konzepte vom Ende des 19. Jahrhunderts bis in die 30er Jahre eingegangen. Jene Bildungs- und Propagandakonzepte erwiesen sich als grundlegend für die musikalische Instruktionsarbeit von Arbeiterchören sowie die Formulierung neuer Lehrpläne nach der Oktoberrevolution 1917. Mit einer Untersuchung der Gattungen Massenlied, Liedsymphonie und Filmmusik wird untersucht, wie ästhetische Transformationsprozesse und ideologische Bedeutungszuschreibungen in den 30er Jahren erfolgten. Die neuen und sogenannten „frischen Genres“ verbanden alte kompositionstechnische Formmodelle, akzeptierte Rezeptionsmuster und ideologische Vorlagen zu einer spezifisch„neuen“ sowjetischenMusik.
Mit 78 Abbildungen und einer Einführung in den Forschungsstand.
"Mit vorliegendem Titel ist eine wichtige Arbeit anzuzeigen, die entschieden über die bisherige Musikgeschichtsschreibung auf diesem Gebiet hinausgeht, da sie nicht im engeren Sinn auf die Kompositionsgeschichte konzentriert ist, sondern den (gelungenen) Versuch unternimmt, die Entstehung der neuen sozialistischen beziehungsweise sowjetischen Musikkultur aus den das Musikleben prägenden Institutionen und Instanzen heraus zu deuten, das heißt wesentlich auf der Grundlage der Beschreibung und Erschließung von Denkformen, wie sie seinerzeit in den Bereichen Musikpädagogik, Musikethnographie und Musikästhetik anzutreffen waren." (Andreas Wehrmeyer, nmz 6/10 - 59. Jahrgang) The review you can find here.
"... die Monographie [ist] ein wertvoller Beitrag zur sowjetischen Musikgeschichtsschreibung, da John viele Primärquellen zugänglich macht und den Weg zu wichtigen Knotenpunkten weist. Das Buch entfaltet dort seine eigentliche interpretative Stärke, wo es die Schnittstellen von ideengeschichtlichen Wurzeln des 19. Jahrhunderts, institutionellen Ausprägungen der frühen Sowjetzeit und lebensweltlichen Vorstellungen aufzeigt, die schließlich eine spezifisch sowjetische Form von „Musik“ unter den Vorzeichen des Sozialistischen Realismus bildeten." (Boris Belge: Rezension zu: John, Michael: Die Anfänge des sozialistischen Realismus in der sowjetischen Musik der 20er und 30er Jahre. Historische Hintergründe, ästhetische Diskurse und musikalische Genres. Bochum 2009, in: H-Soz-u-Kult, 08.10.2009, http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2009-4-026.)
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